Es gibt wohl kein besseres Soulfood zum Frühstück vor einer langen Etappe im Auto als Fatcakes. Noch dazu, wenn sie von so einer freundlichen botswanischen Mama zubereitet werden, wie wir sie früh morgens in der Kleinstadt Maunatlala antreffen auf der Fahrt Richtung südafrikanischer Grenze. Während wir uns die in heißem Fett herausgebratenen Köstlichkeiten schmecken lassen, gönnt sich Max noch vom geschäftstüchtigen Verkäufer, der gerade einen riesigen Stapel an Maunatlala Merchandise aufbaut, ein neues T-Shirt. Zwar steht in den Sternen, ob die unzähligen T-Shirts und Sweatshirts mit Maunatlala Aufdruck wirklich alle zukünftig die städtische Fangemeinschaft erobern werden, aber nach knapp 5 Monaten Reise ist es wohl ohne zu übertreiben das schönste Kleidungsstück, das wir aktuell noch im Kleiderschrank haben.




Gegen Mittag erreichen wir die südafrikanische Grenze, an der wir auf beiden Grenzseiten ziemlich zügig und unkompliziert aus- bzw. einreisen können. Die komplizierten & nervenaufreibenden Grenzüberschreitungen scheinen nun endgültig hinter uns zu liegen. Doch neben den Vorteilen der westlich geprägteren Gefilden, werden uns die Schattenseiten schnell bewusst: Das Arm-Reich-Gefälle in Südafrika ist leider äußerst stark ausgeprägt und damit einhergehend die Unsicherheit und schwindende Leichtigkeit. Deutlich wachsamer fahren wir durch die Städte, die auf unserem Weg in Richtung Übernachtungsplatz liegen. Viele Bettelnde warten an den Ampelkreuzungen auf die herannahenden Autos und entgegen unserer bisherigen Gewohnheit mit heruntergelassenem Fenster durch die Gegend zu fahren, merken wir schnell, dass wir keine falschen Einladungen gegenüber Langfingern bekunden sollten. Tatsächlich versucht am späten Nachmittag, als wir gerade von einem kurzen Stopp vom Einkaufszentrum wieder auf die Straße abbiegen (hier gibt es übrigens auf allen Parkplätzen vorwiegend Wachpersonal, das dafür sorgt, dass während dem Einkauf der zumeist weißen Kundschaft, die parkenden Autos nicht aufgebrochen oder beim Beladen des Wagens keine Ware oder Taschen abhandenkommen), ein verwahrlost wirkender Mann erfolglos auf meiner Beifahrerseite zuerst meine Tür und dann die hintere Wagentür zu öffnen. Ein Grund mehr zukünftig immer an die Zentralverriegelung zu denken.
Etwas gestresst von den neuen Eindrücken Südafrikas erreichen wir unseren Übernachtungsspott an einem idyllischen Ausflugssee. Aufgrund der Nebensaison ist dieser zur Hochsaison kostenpflichtige Campingspot aktuell unbewacht und kostenfrei. Kein Wunder, außer uns und einer partywütigen Feiergesellschaft, die sich mit starkem Alkohol und lauter Musik warmzuhalten scheint, ist das weitläufige Gelände menschenleer: Es pfeift ein eisiger Wind über das karg bewaldete Seeufer und lässt unser spärlich entfachtes Feuer immer wieder ausgehen. Der afrikanische Winter hat uns nun vollends in seinen Fängen.

Während die uns nachts unseren Schlaf raubende Partygesellschaft morgens noch ihren Rausch ausschläft, packen wir mit klammen Händen unser Zelt zusammen und machen uns auf Richtung Drakensberge. Dort wollen wir am kommenden Tag eine sich spektakulär anhörende Wanderung machen und dafür so nah wie möglich am Ausgangspunkt parken. Doch bevor es in die Berge geht, haben wir noch ein wichtiges Treffen vor uns: Wir haben uns mit unseren Overlander-Freunden Amy & Christos, die schon seit einigen Wochen in Südafrika unterwegs sind, verabredet. Während wir nun gen Lesotho und im Nachgang unserem finalem Ziel Kapstadt entgegenfahren, sind die beiden wieder gen Norden bzw. ihrer zukünftigen Wahlheimat Kenia unterwegs. Das Treffen bei einer großen Tasse Kaffee ist unglaublich herzlich und der Abschied nach zwei Stunden „Abenteuergeschichten-Austauschen“ umso trauriger. Gut, dass während der Weiterfahrt die Landschaft immer abwechslungsreicher wird und spektakuläre vereinzelte Bergmassive rechts und links der gut ausgebauten Fahrbahn auftauchen.


Die Drakensberge empfangen uns mit dicken Wolken und leichtem Regen. Zudem wirken die einfachen Gebäude mit Wellblechdächern und Feuerstellen, welche ihren Qualm quer über die Fahrbahn wehen, nicht gerade einladend.



Wir passieren den Zugang zum Royal Natal National Park und es geht stetig bergauf. Auf über 2.200 Metern erreichen wir schließlich die Witsieshoek Mountain Lodge – eine ziemlich schicke Unterkunft, die wir uns normalerweise nicht leisten würden. Netterweise erlaubt man uns gegen den Verzehr von zwei Hauptgerichten auf dem Parkplatz kostenfrei zu übernachten – auch wenn der mitleidige Blick des Lodge-Personal und deren Hinweis, dass es ganz schön kalt werden wird, nur ein kleiner Vorgeschmack davon ist, welche Eiseskälte uns tatsächlich in der Nacht erwartet. Da freut mich sich glatt über den frühen Wecker. Kurz die steifgefrorenen Glieder aufwärmen und vier Schichten Sportklamotten übereinander ziehen, rein in die Turnschuhe und los geht’s Richtung Sentinel Peak. Man gönnt sich ja sonst nichts! Nicht nur wir quälen uns in der eisigen Morgenkälte, auch Käppchen ist froh, als es als erstes Fahrzeug an diesem Morgen auf dem mit Pflastersteinen ausgelegten Parkplatz zum Stehen kommen darf. Während unser Fahrzeug darauf wartet, dass bald die wärmende Sonne aufzieht und die bald wärmenden Strahlen auf die Solarzellen scheint, machen wir uns – nach Eintragung unserer Daten in ein dickes Wanderbuch – mit müden Gliedern auf den Weg.

Die Wanderung geht über 17 km auf 3.000 m Höhe. Neben einigen steilen Eisenkettenleitern, die überwunden werden müssen, bietet die anfangs eisige und später sehr schweißtreibende Wanderung einen gigantischen Ausblick auf das sogenannte Amphitheater – eine imposante, halbrunde Bergkette, an deren Abbruchkante wir uns unsere Brotzeit (Zwiebelwurst, Peanut-Butter und Analog-Käse auf Toast) schmecken lassen.



Der sich ebenfalls auf dem plateau-artigen Hochebene befindliche zweithöchste Wasserfall der Welt (Tugela-Wasserfall) ist leider ausgetrocknet und nur ein kleines Rinnsal kämpft sich unter einer Eisschicht bis zum 1.000 Meter tiefen Abgrund. Wir wandern noch über eine Stunde über die hügelig verlaufende Landschaft und genießen die atemberaubende Aussicht bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen.







Der Abstieg führt über ein beschwerliches, rutschiges und ziemlich anspruchsvolles Geröllfeld, das durch eine Felsscharte führt und die Kniescheiben beginnen ordentlich zu wackeln. Doch bevor die Konzentration und die Kräfte zu sehr schwinden, gibt es einen Kaffeestopp. Nicht, wie man es vielleicht in den bayerischen Alpen machen würde, in einer Hütte per Einkehrschwung, sondern mittels des extra im Rucksack mitgetragenen Gaskochers und unserer Bialetti in Alpina-Edition – dazu ein paar Kekse und schon lässt sich die fantastische Landschaft wieder vollumfänglich genießen und die letzten Kilometer zum Auto zurücklegen. Am frühen Nachmittag erreichen wir erschöpft und glücklich zugleich wieder unseren Ausgangspunkt.




Da wir nicht erneut eine Nacht in klirrender Kälte auf 2.000 Meter verbringen wollen und eine Dusche auch mal wieder was Schönes wäre, beschließen wir uns diese Nacht eine Unterkunft mit festem Dach überm Kopf zu gönnen. In Clarens, einem süßen Provinzstädtchen, finden wir ein AirBnB, das noch ein Zimmer für uns frei hat. Nach gut zwei Stunden Fahrt durch den National Park beziehen wir ziemlich durchgefroren unsere kleine aber feine Unterkunft. Dank einem Bett mit Heizdecke und einer heißen Dusche fühlt es sich fast so an, als hätten wir uns einen Aufenthalt in einem Luxusressort geleistet. Diese Nacht wird auf jeden Fall deutlich erholsamer werden als die vorangegangene. Und das ist auch gut so, da am nächsten Morgen der Grenzübergang nach Lesotho – dem letzten neuen Land unserer sechsmonatigen Reise – ansteht.
